Theater-Rezension: „Metzgerei Först“ begeistert

Im Sport spricht man gerne von einer „Goldenen Generation“, wenn mehrere überdurchschnittliche Talente zusammenfinden und gemeinsam etwas (er-)schaffen, das hinsichtlich Qualität und Leidenschaft lange nach Seinesgleichen suchen muss. Es scheint, im Bereich Schauspiel wächst im Theaterkeller am Johann Michael Fischer-Gymnasium in Burglengenfeld genau eine solche „Goldene Generation“ heran.

Nach der furiosen Bühnen-Premiere („Fundsache Reisekoffer“) im vergangenen Jahr legte die Theatergruppe der Unterstufe nochmals kräftig zu – und begeisterte mit der Eigenproduktion „Metzgerei Först“ nicht nur drei Abende lang die jeweils minutenlang applaudierenden Zuschauer, sondern auch eine Jury, die von der Fördergemeinschaft für das Schultheater an den bayerischen Gymnasien eigens nach Burglengenfeld geschickt worden war. Und die entschied: Als eine von insgesamt nur zwölf Theatergruppen und einzige Unterstufe darf das Burglengenfelder Ensemble zu den 61. Bayerischen Theatertagen nach Bamberg.

Bevor es allerdings Ende Juli soweit ist, galt es erst einmal, das Publikum im Theaterkeller des Gymnasiums zu überzeugen. Die Spannung war groß, denn schließlich ging es für die Gruppe Zwölf- und 14jähriger nicht nur um die schauspielerische Anerkennung, sondern auch darum, wie das eigene Stück ankam. In monatelanger Arbeit mit unzähligen Ideen, vielen Diskussionen und nicht enden wollenden Proben, wo jede Passage immer wieder getestet, geändert und feingeschliffen wurde, entwickelten die zwölf Schülerinnen und neun Schülern aus den 7. und 8. Jahrgangsstufen unter der behutsamen Leitung von Studiendirektorin Karin Then ein Stück, das es wirklich in sich hat.

„Metzgerei Först“ ist erstaunlich souverän, ohne altklug zu wirken. Das Theaterstück ist erwachsen und jugendlich zugleich, vereint traurige Momente mit komischen Akzenten und spielt gekonnt die gesamte Tempo-Klaviatur von sehr ruhigen Dialogen bis zum rhythmischen Stakkato einer ausgelassenen Doppel-Polonaise. Einfach herrlich der Würstel-Chor, der im Sprechgesang die Pläne des Metzgers untermauert!

Ein Metzger also. Auch wenn dank der blonden Perücke, dem plumpen Gebaren und dem Anspruch „Metzgerei Först“ gewisse Ähnlichkeiten mit einem aktuellen Staatsoberhaupt sicher nicht rein zufällig sind. Der Metzger jedenfalls hat ein Marionettentheater gekauft und will nun Fleisch- und Wurstwaren statt Poesie, Kunst und Fantasie darbieten. Den Marionetten droht die Vernichtung, was aber im Fortgang der Erzählung mutige Kinder von der Straße zu verhindern wissen.

Was das Stück neben Geschichte und stimmiger Dramaturgie besonders auszeichnet, sind die vielen originellen Einfälle – sei es die menschliche Abrissbirne, die frech-augenzwinkernde Mordlust der Kinder, wenn die Marionetten bedroht werden, oder einfach der Rucksack, den ein Mädchen zur Befreiungsaktion mitnimmt: Man weiß ja nie, wie lange so etwas dauern kann, da sollte man immer eine Brotzeit dabei haben. Das ist authentisch, das kommt beim Publikum direkt an.

21 Siebt- und Achtklässler. Sie überraschten nicht nur damit, dass in einer eigentlichen Mädchen-Domäne ungewöhnlich viele Jungen dabei sind, sondern vor allem durch die hohe Qualität in der gesamten Breite des Ensembles. Es verbietet sich, eine oder einen eigens hervorzuheben; allesamt agierten sie hoch konzentriert, maximal synchron, wenn es darauf ankam – und zeigten immer wieder herausragende Stärken gerade in Gestik und Mimik, wenn das gesprochene Wort in den Hintergrund trat. Das schaffte reichlich Raum für Fantasie, die das Publikum in den Bann zog.

„Metzgerei Först“ ist ein Theaterstück genau auf den Punkt, aufgeführt von jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, in der sich Begabung und Leidenschaft vortrefflich verbinden. Die 61. Bayerischen Theatertage dürfen sich auf die Burglengenfelder Gruppe freuen.

Die Theaterspieler: Amalea Ernst, Eileen Ernst, Lili Espak, Marie Frank, Maria Frieser, Manuele Ghorab, Maja Ilowska, Alexandra Jacob, Noah Krebs, Florian Limberg, Janina Merkel, Helena Modell, Tina Moosburger, Vincent Ponnath, Florian Reisinger, Johannes Reisinger, Luciana Schmidkunz, Robin Simon, Dominik Straubinger, Elena Urban, Finley Winterstein sowie Gabriel Engelhardt (Technik)

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