Damit multiresistente Erreger keine Chance haben

Dass sachliche Informationen nicht nur bei der Vermeidung von unnötigen Risiken helfen, sondern auch das wirksamste Mittel gegen unbegründete Ängste sind – das gilt nicht zuletzt bei den sogenannten „Krankenhaus-Keimen“, die regelmäßig in aller Munde sind. Dass die multiresistenten Erreger insbesondere für Menschen mit einem schwachen Immunsystem sehr gefährlich werden können, steht außer Frage; aber man kann sie laut Eva Maria Zitzmann durchaus wirksam behandeln.

Die Funktionsoberärztin der Inneren Medizin hatte im Rahmen der bekannten „Klinik im Dialog“-Reihe in die Asklepios Klinik Oberviechtach geladen, vor einem interessierten Publikum spannte sie dabei den Bogen von „Was sind Krankenhauskeime?“ über Resistenzen, Erkrankungen und Infektionswege bis hin zu den Gegenmaßnahmen.

Das Wichtigste zuerst: Im Krankenhaus Oberviechtach gab es im vergangenen Jahr keinen einzigen Patienten, der sich mit einem Krankenhauskeim angesteckt hat.

Was genau sind Krankenhaus-Keime?

Krankenhaus-Keime sind zu erst einmal Bakterien, die nicht nur als älteste Bewohner der Erde überall vorkommen, sondern von denen auch 99 Prozent noch unbekannt sind. Im menschlichen Körper gibt es zehnmal so viele Bakterien wie Zellen, die meisten davon befinden sich im Darm. Schädliche Bakterien werden in der Regel mit Antibiotika wirkungsvoll bekämpft. Das Problem: Manche Bakterien wehren sich, bilden Resistenzen und geben diese an die nachfolgenden Generationen weiter. Und wenn sich Bakterien gegenüber mehreren Antibiotika unbeeindruckt zeigen, nennt man sie multiresistent.

Es gibt eine Menge von multirestenten Erregern, lapidar „Krankenhaus-Keime“ genannt, von denen Eva-Maria Zitzmann in ihrem Vortrag die häufigsten Exemplare gerade im Hinblick auf ihr Vorkommen und die von ihnen verursachten Erkrankungen näher betrachtete. Dabei stellte sie vor allem auch klar, dass die meisten Patienten sich mit multiresistenten Erregern nicht im Krankenhaus besiedeln, sondern diese „mitgebracht“ werden – u.a. vom Auslandsurlaub, aus landwirtschaftlichen Betrieben mit Tierhaltung oder aus Altenpflegeheimen. Ganz wichtig: Multiresistente Erreger sind nicht im Trinkwasser.

Gegenmaßnahmen!

Die Infektion erfolgt meist von Mensch zu Mensch über die Hände (deshalb ist es so wichtig, die Desinfektionsspender in Kliniken ausgiebig zu nutzen), über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken oder Handläufe und von (Nutz-)Tier zu Mensch. Überhaupt, so die Funktionsoberärztin, ist das erste und beste Mittel gegen multiresistente Erreger, eine Übertragung mit entsprechenden Gegenmaßnahmen zu verhindern. Im Alltag heißt dies u.a.: Die Hände häufig waschen, Fleisch und ungekochtes Essen getrennt halten, Speisen richtig durcherhitzen und möglichst kein Fleisch aus der Massentierhaltung kaufen.

Keine Krankenhaus-Keime im Krankenhaus: Als aktuell nur eine von elf Kliniken in Bayern besitzt die Asklepios Klinik Oberviechtach das vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin in Berlin verliehene Silberzertifikat „Saubere Hände“. Ein Zeichen für die Einhaltung des sehr hohen Hygienestandards im Krankenhaus sind zum Beispiel die über 150 Desinfektionsspender, die in der Klinik in den Fluren und Zimmern angebracht sind. Als weitere Gegenmaßnahmen gegen multiresistente Erreger führt man in Oberviechtach bei der Patientenaufnahme ein umfassendes Screening durch, das neben dem Ausfüllen eines Fragebogens auch Abstriche beinhaltet. Wird dann tatsächlich bei einem Patienten ein Krankenhaus-Keim festgestellt, so wird dieser in einem Einzelzimmer isoliert und ganz gezielt mit speziellen Reserveantibiotika behandelt, um den ungebetenen Gast wieder zu vertreiben.

Gefahr besteht nur sehr selten: Die multiresistenten Keime nutzen den Menschen praktisch als Fahrzeug, machen ihn aber nicht krank. Jedoch für Frühgeborene und immunschwache Patienten können die Erreger lebensbedrohlich sein.

Daher der Tipp von Eva-Maria Zitzmann „Hände waschen – Hände desinfizieren! So kann jeder helfen, die Ausbreitung der Erreger zu verringern!“

Foto: Eva-Maria Zitzmann (Foto: Asklepios Klinik Oberviechtach)

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